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Die dunkle Seite der Gesellschaft:


Piraten




Zucker und Baumwolle

                                                                                   

Aus dem Zuckermuseum
in Berlin

( ergänzt & kommentiert )




Geschichtliche Ereigniskette:





PS: In regelmäßigen Abständen treffen sich noch heute alle Sklavenabkömmlinge mit dem Nachnamen "Morgan" ( nach ihren Ur- Großvater, - wenn er es denn war - einem berühmten Sklavenhändler und Piraten Morgan - der von den Engländern später zum Gouverneur von Jamaika ernannt wurde - ) regelmäßig irgendwo an einem bestimmten Ort, möglicherweise in Freetown oder dem "Tor der Tränen" in Westafrika, von wo aus ihre Vorfahren einst in die Sklaverei verschifft wurden. Sie sind alle recht erfolgreich, stolz und gut gelaunt. Sklavenadel eben: nicht ein Jeder stammt von Morgan ab, und wer weiß, vielleicht wollten auch einige von ihnen Afrika verlassen. Vielleicht so "freiwillig" wie die von ihrem Fürsten verkauften hessischen Landeskinder aus Deutschland . . . oder die heutigen "Asylanten"

Wie sagte es letztens ein Afroamerikaner nach dem Besuch im Lande seiner Vorfahren? "Ich danke Gott, daß meine Vorfahren als Sklaven in die USA verschleppt wurden" - nun ja, vielleicht sahen diese das damals etwas anders.

Aber es gab auch in Deutschland den Spruch: "Der ersten der Tod, der zweiten die Not, der dritten das Brot." - namentlich der Auswanderergeneration.

Während der Jahre in der Mitte des 19. Jahrhundert ( also um 1850 ) sind bis zu 15000 Menschen pro Woche nach Amerika ausgewandert oder eingewandert, je nach Sicht. Häufig wurde ihnen die Passage sogar von den alten Regierungen bezahlt, die so ihre Arbeitslosen und Gefängnisinsassen loswerden wollten.

In den Slums von New York, dem größten Einfallstor, starben Tausende in den folgenden Straßenkämpfen, bis zu 20 000 an einem Nachmittag während der sogenannten Draft - Unruhen 1863, so viel wie an während des I. Weltkrieg in einer Angriffswelle an einem Nachmittag im Maschinengewehrhagel oder im II. Weltkrieg in einer Bombennacht.

Draft - Unruhen deshalb, weil die Regierung der Nordstaaten im während der Einwanderung stattfindenden Amerikanischen Bürgerkrieg ein Gesetz erlassen hatten, daß jeder Mann zwischen 14 und 45 sich bei der Armee zu melden hatte, um eingezogen ( "drafted" ) zu werden - es sei denn, er könne Ersatz stellen oder 300 Dollar zahlen, damals eine Riesensumme. Während die Draft - Order in den meisten Nordstaaten Nordamerikas im allgemeinen schlicht ignoriert wurde und nur 30 % der Eingezogenen wirklich erschienen, führte sie in Städten wie New York natürlich dazu, daß, wer konnte, sich mit $300 in die Kriegskasse freikaufte oder für noch viel weniger Geld unter den Armen einen Ersatz für sich fand - übrigens auch unter den Armen Europas, wo bald Werber auftauchten und mit Verpflichtungserklärungen, Verträgen und Geldversprechen wedelten. Und es führte schließlich zu eben jenen Draft - Unruhen, bei denen der Mob das Haus des Bürgermeisters niederbrannte und den schließlich die Armee niederschlagen mußte.

Die hastig zusammengenagelten Auswandererschiffe aus Irland während der dortigen Hungersnot auf Grund der Kartoffelfäule hießen im Volksmund "Coffin - Ships" ( Sarg - Schiffe ), weil so wenige Auswanderer allein die Fahrt überlebten.

2003 hat die Bevölkerung von Irland zum ersten Mal wieder die vier - Millionen - Grenze überschritten. Vor der großen Hungersnot und Auswanderung in den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts waren es mehr als 8 Millionen gewesen.

Die meisten der ersten europäischen Auswanderer oder Eroberer starben in Nordamerika schlicht an Hunger und Seuchen, wie die Ureinwohner selber nach dem Kontakt mit ihnen. In der Regel überlebte ein Drittel die ersten Jahre nicht, ein Drittel blieb, ein Drittel kehrte sogar enttäuscht und verbittert nach Europa zurück, wenn sie sich das Geld zusammenschnorren konnten, wo sie die allgemeine Zufriedenheit der Bevölkerung auch nicht gerade erhöhten. In anderen Worten: 50 % der Immigranten starben.

Viele der "Auswanderer" waren Insassen von Gefängnissen, Heimen, Arbeitslagern, Waisenhäusern und andere Kostgänger des Staates, denen die Passage ( einweg, natürlich ) sogar vom jeweiligen Staat bezahlt wurde - nicht immer freiwillig, auch nur erzwungen freiwillig, oder gar gefragt. Und Auffanglager gab es nicht nur in Amerika. Schließlich gab es Land zu verteilen, das einem nicht gehörte. . . wie ja zuletzt im II. Weltkrieg und dessen Nachfolger.

Auch noch kurz vor und sogar noch nach dem II. Weltkrieg wurden aus England ein paar tausend Straßenkinder mit Hilfe weltlicher und kirchlicher Institutionen innerhalb des Commonwealth um die halbe Welt nach Kanada, Afrika und Australien deportiert, wo sie auf Farmen als landwirtschaftliche Gehilfen dienen mußten. Sie waren von diesen angefordert worden, und das Ganze wurde staatlich bezahlt.

Viele dieser Stadtkinder hatten das Land vorher noch nie gesehen. Zehn - bis Vierzehnjährige Kinder beiderlei Geschlechtes wurden so zu Kinderarbeit und Sklaverei angehalten, unter dem Vorwand, man täte ihnen etwas Gutes. Straßen - und Heimkinder, Halb - und Vollwaisen, Pflegekinder, aufgegebene, geraubte, uneheliche, unerwünschte oder verstoßene Kinder. Man sagte ihnen, ihre Mütter seien tot.

Die Eltern, wenn überhaupt, wurden informiert, daß ihr Kind tot sei oder daß es ihnen gut ginge. Sie sahen sie im allgemeinen nie wieder. Die Kinder kamen meistens vom Regen in die Traufe. Ob sie überlebten oder untergingen, war mehr oder weniger eine Frage des Glückes. Bis in die fünfziger Jahre hinein.

Heute verläuft es umgekehrt: Afrikanische Kinder werden von ihren Familien zur Kinderarbeit und Sklaverei zu "Verwandten" nach England verschickt -  oder verkauft; wie man es sehen will.






Sendung in ARTE am 03. 05. 1998:


Die Piraten in der Karibik des 17. Jahrhundert bestanden - auch nach damaligen amtlichen Aussagen - nicht nur aus flüchtigen oder freigelassenen Verbrechern und entlaufenen Sträflingen, Georgia, mit seiner Hauptstadt Atlanta im geographischen Grenzgebiet zwischen dem Norden und dem Süden an der nordamerikanischen Atlantikküste gelegen, einer der Hauptkriegsschauplätze sowohl im amerikanischen Unabhängigkeits- wie im Sezessionskrieg, hatte als englische Sträflingskolonie begonnen ] sondern sie rekrutierten sich auch aus entflohenen Gefangenen, entsprungenen Schiffsmannschaften, die - häufig gewaltsam in den Dienst gepreßt - unter dem grausamen Regime der monarchistischen Kriegs- und Handelsmarinen litten und teilweise einen Überfall von Piraten tatsächlich wie eine Befreiung herbeisehnten, entlassenen Söldnern und Freibeutern, ehemals im Dienste von Regierungen, dienstuntauglich gewordenen Kriegsinvaliden ( einbeinig und einäugig "marode", daher "marodierend" ), ja sogar aus verfolgten Sozialrevolutionären und Geistlichen und Bürgerlichen, die sich gegen die Ungerechtigkeit der Gesellschaft auflehnten.


Zu letzteren gehörten auch die sog. "Dissidenten", eine Art religiöse Gemeinschaft aus England, unter diesen auch William Dafoe, Autor u. a. der "Schatzinsel", der in England für seine Taten oder seinen Glauben bereits an den Pranger gestellt worden war.

Diese Piraten gründeten zuerst in der Karibik mit ihren Buchten, die für Kriegsschiffe zu flach waren, und später, als sie sogar den Indischen Ozean in ihre Beutezüge mit einnahmen, auch auf Madagaskar eine Art Robin- Hood- Bruderschafts- Räuber- Republik und begriffen sich selbst als "Freiheitskämpfer" mit äußerst strengen, brutalen, "gerechten" und basisdemokratischen Regeln nach Art der Hell's Angels: der Kapitän wurde von der Mannschaft gewählt und auch wieder abgesetzt, Raubzüge gemeinsam geplant und die Beute gleich verteilt. Die Mannschaft gekaperter Schiffe wurde "befreit", die Offiziere vor ein Tribunal gestellt und oft getötet; viele der Piratenschiffe hießen "Revenge" ( Rache ).

In diesen Gemeinschaften wurde auf strengste Einhaltung der Disziplin und Gerechtigkeit geachtet und Verstöße u. a. durch Aussetzten in einsamen Stränden oder Inseln geahndet. Es gab so etwas wie eine Sozialkasse für Verletzte und Alte, auch in Form von vergrabenen Schätzen. Sie propagierten den Gleichheitsgrundsatz, und ihr Gemeinschaftsverbund war fast so etwas wie der Vorläufer der Kommunistischen Internationale. Es wurden noch nach dem II. Weltkrieg Söldner- Republiken im Kongo und auf Inseln im Indischen Ozean gegründet. Es ist immer derselbe Traum.

Natürlich war das alles bar jeder Theorie, und blieb deshalb Theorie.

Der Bruderschaft der Piraten fehlte nämlich, wenn man es so ausdrücken kann, paradoxerweise eine Theorie der Unterdrückung; sie wußten zwar wofür, aber nicht so richtig, wogegen sie kämpften, und spiegelten so die Gesellschaft wieder. Der letzte große karibische Pirat, Jean Lafitte, soll allerdings - angeblich - die Erstausgabe des Kommunistischen Manifestes finanziert haben.

Die mit sogenannten Kaperbriefen ausgestattet "Freibeuter" (  zu denen übrigens auch Klaus Störtebecker aus Hamburg um 1400 gehörte ) waren dagegen Söldner zur See, die zwar im Auftrag und unter dem Schutz eines Staates, aber auf eigene Rechnung Kriege gegen ( Handels- ) schiffe der Gegners / des Feindes führen. Sie durften einen Teil der Beute als Lohn behalten, im Auftrag oder mit Billigung der jeweils ausstellenden Regierung, die auch nicht immer ihr Wort hielt, siehe Störtebecker. Auch das gibt es heute noch.

Als die Spanier das Gold der Inkas raubten, fuhren ihnen französische, aber vor allem englische Piraten und Freibeuter dazwischen, teilweise im Auftrag des Englischen Königshauses handelnd, um einen Teil der Beute nach England zu schaffen, das sich im Dauerkonflikt mit Spanien und der Katholischen Kirche befand; vor allem unter Francis Drake in den Jahren 1577- 1596 ( nebenbei war er angeblich der erste überlebende Weltumsegler- Kapitän ).

Dabei unterhielten diese Piraten nicht nurStützpunkte in den Meerengen der Karibik, um die spanischen Schiffe abzufangen, sondern insgeheim auch sehr gute Beziehungen zu den Verwaltungen der nahegelegenen neuen englischen Kolonien auf dem amerikanischen Festland, speziell dem Gouverneur von North Carolinaeiner der üblen Sklavenhalter- Südstaaten ), wo sie einen Teil des geraubten Gutes ( wozu auch das Zeug auftragsgemäß nach England schleppen, wenn man es vor Ort verhökern kann? ) sowie der geraubten Menschen an Land brachten.

Sie finanzierten sich so unter der Hand auch durch den von England verbotenen Handel mit den abtrünnigen nordamerikanischen Kolonien, und wurden dafür von den dortigen Gouverneuren beschützt ( haben die Piraten so vielleicht auch die amerikanische Revolution mitfinanziert? ).

Mit der Konstituierung der Vereinigten Staaten ging ihnen diese Rückendeckung dann verloren, als sich die USA für unabhängig erklärten und das Land von Norden her konsolidierte - und die Piraterie bekämpfte, die den Handel über den Atlantik ungemein verteuerte. Als die Gefahr von Überfällen auf Handels- und Passagierschiffe gebannt war, verbilligte sich die Nordatlantik- Passage um die Hälfte.

Die Amerikaner warfen im folgenden Unabhängigkeitskrieg mit den Franzosen auch die Piratennester in Florida hinaus ( u. a. auch das von Jean Lafitte, den angeblichen Finanzier des Kommunistischen Manifestes, der sich dann aber auf die Seite der Amerikaner gegen England schlug ).

Danach folgte als zweiter Schritt der Konsolidierung der Amerikanische Bürgerkrieg 1861 - 1865 als Vorläufer des Ersten Weltkrieges in Europa.

Der amerikanische Bürgerkrieg ging auch gegen die Piraten, die mit dem Gouverneuren der Baumwoll- Südstaaten von Florida bis Nord Carolina und Virginia - also eigentlich der gesamten östlichen Küste der vereinigten Staaten bis fast hinauf nach New York - gemeinsame Sache machten. Die Piraten trieben Schmuggel aller Art, nicht nur Menschen- oder Sklavenhandel, sondern vor allem auch Waffen. Die Südstaaten besaßen kaum Industrie, und damit auch keine Waffenfabriken. Andererseits waren die USA eigentlich im Süden gegründet worden - deshalb war Washington die Hauptstadt. Die Südstaatler haben sich also immer schon, mit einer gewissen Berechtigung, als Separatisten gesehen und als die wahren freiheitlichen USA.

Der Sezessionskrieg war, natürlich, auch ein Wirtschaftskrieg. Und Sezession bedeutete, daß die abtrünnigen Staaten sich über den Atlantik versorgen und Handel treiben wollten - auch mit dem alten Europa - und keine Steuern an die Union zahlen. Und in der Tat versanken sie nach der Niederlage im Bürgerkrieg mitsamt ihren Häfen in wirtschaftlicher Bedeutungslosigkeit. Der Handel fand danach, wie beabsichtigt, hauptsächlich im Inland statt. Das heißt, die Produkte der Südstaaten kamen den anderen Staaten zugute und nicht dem Ausland. Da kann man schon mal Zwang anwenden. . .

Es handelte sich bei dem amerikanischen Sezessionskrieg darum, daß sich die von der Sklavenhalter- Landwirtschaft lebenden Südstaaten von dem sich industrialisierenden Norden wirtschaftlich trennen wollten, was Lincoln unbedingt zu verhindern suchte. Die Baumwolle spielte dabei neben Tabak und Rum, als Genuß- Rausch- und Suchtmittel immer ein gutes Geschäft, eine tragende Rolle bei der Finanzierung dieser Staaten, wie die Namen 'de Nimes' und 'Jeans' belegen.

Frankreich unter Napoleon III. ( Kaiser von Frankreich 1852-1870, Neffe Napoleons I. Dieser lebte 1769-1821, als die USA sich konstituierte, und gründete 1800 die Bank von Frankreich ) unterstützte die Südstaaten gegen die Engländer; der Sezessionskrieg der Südstaaten ist überhaupt erst aus dem Handelsstreit mit ( diesem ) Napoleon - er eroberte Vietnam und stieß bis China vor - entstanden: es hatte Differenzen gegeben um das Recht amerikanischer und kanadischer Schiffe, freien Handel zu treiben mit England und Frankreich.

Es waren im Grunde die alten Segelschiff- Handelsrouten und -gebiete: Im Norden die alte Handelsverbindung der Nordstaaten mit England, zwischen London und New York, auch nach dem Abfall der Nordstaaten von England und ihrer Konstituierung als vereinigte Staaten von Amerika 1787, auch ein Streit um Handels- und Steuerfreiheit, damals noch mit tatkräftiger Unterstützung durch die Länder Kontinental- Europas, das mit dem englischen Imperium im Dauerstreit lag; seit der ersten Überquerung des Atlantik mit einem Dampfschiff 1818 zunehmend unabhängig von Wind und Wetter. Im Süden dagegen die alten windgetriebenen Handels- Piraten- und Schmuggelrouten zwischen dem Festland- Europa und der Karibik, die Passat- Golfstrom- und Westwind getrieben Kreis- Rennstrecke des Christobal Colon um das Azorenhoch.

Im Sezessionskrieg ( eher: anti - Sezessionskrieg ) blockierten die Nordstaaten die Häfen und die Schiffahrtsrouten der Südstaaten mit Europa mit einer Seeblockade, um den kriegswichtigen Verkauf der Baumwolle zu unterbinden.

Die "Ruling Classes" - die Besitzer der Baumwollspinnereien in Südengland - unterstützten die Konföderierten ( Südstaaten ), da sie auf deren Baumwolle angewiesen waren.

Baumwolle verarbeitende Arbeiter in Manchester boykottierten diese Lieferungen und zwangen die Schiffe aus den Südstaaten zur Umkehr, so daß sie ihre Baumwolle nicht verkaufen konnten und vernichten mußten, was deren Möglichkeit Krieg zu führen weiter schwächte.

Abraham Lincoln schrieb diesen Arbeitern, die lieber zwei Jahre arbeitslos (!) blieben, als sich am Krieg für die Sklaverei zu beteiligen, einen Dankesbrief, in dem er die ewige Verbundenheit Amerikas mit England auf Grund dieser Begebenheit beschwor und anzustreben versprach.

Also bauten die Engländer seufzend zunehmend Tabak und Baumwolle in anderen Kolonialgebieten an: Ägypten, Indien, und so weiter, bis sie schließlich von der Zufuhr aus den Südstaaten Nordamerikas gänzlich unabhängig waren - und die Nordstaaten vollständig darauf zugreifen konnten.

Die Länder Kontinental- Europas gingen leer aus und suchten sich woanders was. Es begann der erste Weltkrieg um Rohstoffe und Ressourcen. Tabak wächst auch in der Türkei, Baumwolle in Südrußland; Alkohol gibt's überall.







Die berühmte Meuterei auf der Bounty war der letzte große Piratenakt vor der Französischen Revolution, vielleicht sogar deren Zündfunke: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit! - auch zu Beginn anderer Revolutionen gab es typischerweise Matrosenaufstände - und mit deren Ausbruch zerfiel auch diese Art von "Commonwealth"- Verbund der Vereinigten Piraterie. Die gerechte Sache der Entrechteten nahm ihren weiteren Verlauf an Land, und die Piraten zur See hatten keinen Zulauf mehr. Auf Madagaskar überfielen die Einheimischen die Räuberkolonie und eroberten sich ihr Land zurück.

PS: Es gab allerdings noch in den 50er - 60er Jahren des letzten Jahrhunderts zumindest einen bekannt gewordenen Versuch, in tropischen Gegenden eine solche "Söldnerrepublik" zu etablieren.

Nebenbei sind die Piraten die Erfinder der Roten Fahne, die allerdings nicht als Zeichen der Befreiung, sondern des Kampfes bis zum Tod galt (das kennen wir doch: "Sozialismus oder Tod!") - und auch der (anarchistischen) Schwarzen Fahne, ihrem internationalen Erkennungszeichen.

Die Syphilis- und damit der Größenwahn- war unter ihnen sehr verbreitet.





Sendung in ARTE am  29. 04. 2000:


Die Piraterie oder Seeräuberei entwickelt sich überall dort, wo es keine stabilen Verwaltungen gibt, so zur Zeit in Südostasien.

Das Problem hat in den letzten Jahren große und gefährliche Ausmaße angenommen, und die Besatzungen und Passagiere der angegriffenen Schiffe haben von den modernen, mit weitreichenden Schnellbooten und Schnellfeuerwaffen ausgerüsteten Seeräubern nichts zu erwarten außer Raub, Vergewaltigung, Mord und Totschlag.

Da die offene See ein internationales Gewässer ist, gibt es außerhalb der Hoheitsgebiete der einzelnen Staaten auch keinen Schutz. Die früheren und jetzigen Hoheitsgewässer erstreckten und erstrecken sich eben immer nur "soweit die Kanonen reichen", und auch heute gibt es wieder Staaten, die den Piraten Schutz gewähren.

Darüber hinaus sind sie ein Teil des modernen Internationalen Verbrechertums geworden. Es handelte und handelt sich also jenseits aller Romantik um die auch heute noch übliche Mischung aus Plünderung, Menschenhandel, Waffenverbreitung, Schmuggel, Rauschgifthandel und Goldgräberei.


  




Aus: Günter Sachse, "Es waren Räuber auf dem Meer - Die Hamburgische Sklavenkasse", Bertelsmann 1988, Klappentext:



"Hamburgische Schiffe werden von 'türkischen' Korsaren ( in der Sprache der Zeit werden die Bewohner der Seeräuberstaaten Algier, Tunis und Tripolis 'Türken' genannt ) im Mittelmeer gekapert, hamburgische Seeleute auf dem Markt von Algier als Sklaven verkauft. Das geht seit Menschengedenken so.

Schon 1624 hat Hamburg eine 'Sklavenkasse' gegründet. Sie sammelt, vor allem aus Beiträgen der Seeleute, Gelder an, mit denen die Sklaven freigekauft werden können. Wo keinen Flucht möglich ist, bleibt sie die einzige Hoffnung der Verlorenen. Die Verwaltung von Kasse und Freikauf liegt in der Hand des 'Sklavenvaters'.

Die Hamburgische Sklavenkasse war die erste Sozialversicherung in Deutschland."

Laut Spiegel 19/2004 entführten in der Zeit von 1530 - 1780 Seeräuber aus den Nordafrikanischen Anrainerstaaten von Ägypten bis Algerien, in der Hauptsache muslimische Araber, über eine Million weißer "ungläubiger" Christen von den Nordküsten des Mittelmeers und das Atlantiks bis hinauf nach Island.

Wann begann der Sklavenhandel aus Schwarzafrika?

Das scheint parallel gelaufen zu sein - Verschleppung und Zwangsarbeit waren anscheinend in der Zeit etwas alltägliches; ein Großteil der Seeleute selber wurde gepresst, d. h. betäubt und auf ein Schiff gebracht, wo sie dann Dienst tun mußten - wenn es sein mußte, bis zum Tode und ohne Möglichkeit zur Flucht. Menschliche Arbeitskraft war ein Raubgut.

"Mohren" meint "Mauren"; das meinte ursprünglich nicht Schwarzafrikaner, sondern Araber, obwohl die Flagge z. B. von Korsika oder die Figur des "Othello" etwas anders zeigt.

Die Sklaverei bedeutete für die verschickten und verschifften Afrikaner, daß sie in ihrer neuen Heimat, den Südstaaten Nordamerikas, in etwa das taten, was sie auch zu Hause hätten tun müssen: in glühender Hitze und Feuchtigkeit landwirtschaftliche Arbeit bewältigen.

Nur hatten sie nichts davon, und es war nicht ihre Heimat.

Das die Arbeitsbedingungen entsetzlich waren, ist keine Frage; doch gibt es keinen Hinweis auf Hunger, und Arbeitslohn hätten sie auch in Afrika nicht erhalten. Sie waren unfrei, auf Flucht stand unter Umständen der Tod, aber ihre wirkliche Gefährdung begann erst, als sie im Amerikanischen Bürgerkrieg befreit worden waren; sie waren nun Vogelfrei, nicht mehr Besitz ( der ja auch gesetzlich geschützt wird ), aber noch keine Bürger, und ohne Möglichkeit sich zu ernähren. Der Krieg hatte in ihrer Umgebung alle Lebensgrundlagen, auch alle Rechtsgrundlagen zerstört.

Und so wurden sie von den ärmeren Weißen, die sie nie besessen hatten, die sie aber plötzlich bedrängten, als Gefahr angesehen, und in einer Art zweitem Bürgerkrieg bekämpft und ermordet.

Wo sie nicht Land erwerben oder als Farmhelfer sich verdingen konnten, bleiben ihren als Fluchtmöglichkeit nur die Großstädte und Fabriken des Nordens.

JHR  
 
 

  

Ursprung der Baumwolle:


Die Baumwollpflanze, die Südstaaten der USA vorübergehend reich machte, wurde wie das Zuckerrohr von weit her importiert. Sie wächst nur in heißen, trockenen, bewässerten Gegenden, wie beispielsweise Ägypten. Noch heute ist die Baumwolle mit Abstand die am meisten verwendete Textilfaser.

Woher stammt die Baumwollpflanze?

Darüber gibt es unterschiedliche Aussagen:

Ihren Ursprung nahm die Baumwolle einmal angeblich in Asien, einmal in Indien von fünf Tausend Jahren, von wo sie später über China und Arabien nach Westeuropa kam. Das heißt hier: die Faser und das Tuch - nicht die Pflanze selber. Sie wächst hier nicht. In Sizilien und Südspanien wuchs sie.

Um die Mitte des 14. Jahrhunderts wurde die Baumwolle angeblich erstmals in Deutschland von der Weberei Fugger in Augsburg verarbeitet. Kolumbus muß sie, wie das Zuckerrohr, gekannt haben.

Der Ursprung der Baumwolle reicht, wie das Spinnen und Weben von Pflanzenfasern, allerdings noch viel weiter zurück - bis in die jüngere Steinzeit. Älteste gefundene Gewebe sind sieben Tausend Jahre alt, und älteste Funde von Baumwolle selber stammen angeblich aus Jordanien von vor neun Tausend Jahren - sie war dort also anscheinend schon vier Tausend Jahre eher als in Indien bekannt.

Wo immer sie ursprünglich her stammt, es war wohl vor sehr langer Zeit. Sie muß die Menschen von Anfang an begleitet haben. Und sie muß schon vor Jahrtausenden weltweit verbreitet gewesen sein: Als vor 15 000 Jahren die späteren "Indianer" Nord - und Südamerika besiedelten, kannten sie die Baumwolle anscheinend schon.

Wie diese den Samen oder die Pflanzen durch Gegenden und über Jahrzehnte hinweg mitschleppten, wo sie nicht wachsen und sich vermehren konnte, oder ob sie als uralte Pflanze auf allen Kontinenten immer wieder von neuem entdeckt werden konnte - wer weiß?

Auf jeden Fall scheinen nicht nur die Nordamerikanischen Indianer Baumwolle - allerdings nach Ankunft der Europäer - gekannt zu haben, sondern es sind auch vor Kurzem in Südamerika in Peru fast fünf Tausend Jahre alten Baumwollfelder entdeckt worden, in der Nähe ebenso alter Pyramiden etwa 125 km nördlich von Lima in Peru im Supe - Tal in den Voranden.

Die späteren Inka kannten die Baumwolle auch schon vor der Ankunft der Spanier.

Die bisher älteste gefundene Stadt Amerikas, Caral, entstand inmitten der Baumwollfelder von Supe seltsamerweise zur selben Zeit, als auch die großen Pyramiden in Ägypten gebaut wurden. Ihr Alter wird auf 4000 - 4600 Jahre datierte. Die sechs zur Stadt gehörenden Pyramiden sind damit ebenso alt wie die Pyramiden von Gizeh. Sie waren einst auch fast ebenso groß.

Die Einwohner von Caral trieben anscheinend Baumwollhandel mit den Bewohnern der 23 Kilometer entfernten Pazifikküste, sie tauschten Baumwollnetze gegen Meeresprodukte. Man fand in Caral aber auch Gegenstände aus anderen Gegenden Perus, zum Teil aus über 300 km Entfernung, wie z. B. Coca - Pflanzen aus den Anden.

Das älteste Fischernetz aus Baumwollfäden wurde an der peruanischen Küste nicht weit von Caral gefunden. Es ist beinahe 5000 Jahre alt.

So kehrte mit den Europäern nach viertausend Jahren der planmäßige Anbau einer Pflanze auf einen Kontinent zurück, auf dem es älteste Spuren davon gibt.

Am Fuße der größten Pyramide von Caral ( oder das, was davon übrig blieb; sie sind nicht gut erhalten ) stehen angeblich zwei Monolithe aus Granit, ein Gestein das nach einigen Angaben im Umkreis von 150 km nicht vorkommt. Ähnlich weite Transporte hat der Granit der Basis der Ägyptischen Pyramiden hinter sich. Noch schwieriger ist die Frage zu beantworten, womit wurden die Steine in Südamerika bearbeitet? Die südamerikanischen Indios kannten kein Metallwerkzeug, nicht einmal Bronze.

Damit ist erwiesen, daß in Südamerika und im Mittelmeerraum zur gleichen Zeit, also vor 4 - 5000 Jahren, komplexe Zivilisationen entstanden. War das Zufall, oder gab es Verbindungen zwischen ihnen?

Das historische Ereignis, daß an sechs Stellen auf der Welt geschah - in Ägypten, Mesopotamien, China, Indien, Peru und Mittelamerika. Diese Zivilisationen hatten viele Dinge gemeinsam: Rechnen, Mathematik, Kalender, Schrift, Tonwaren, Metallurgie und monumentale Architektur; insbesondere Pyramiden.

Ob und, wenn ja, wie diese antiken Zivilisationen um die ganze Welt herum miteinander kommunizierten und in manchen Bereichen ähnliche, in anderen wieder unterschiedliche Zivilisationstechniken entwickelten, ist bis heute unklar.

Die Inkas herrschten in Peru bis vor 500 Jahren über ein Imperium, dessen Ursprünge sie anscheinend selbst nicht mehr kannten. Denn eines fehlte in den präkolumbianischen Zivilisationen Südamerikas: die schriftliche Überlieferung ( und wo sie einzeln bestand, wie bei den Maya, haben die spanischen Eroberer sie als "gottlos" verbrannt ). In Caral gab es nicht einmal Tonscherben.

Die große gestufte Pyramide von Caral jedoch, die auf etwa 100 Jahre vor der großen Pyramide von Gizeh in Ägypten datiert wird, übertrifft auch die Größe der Ägyptischen Pyramiden in der Menge des verwendeten Materials - und das ohne Rad und Metallwerkzeuge zur Bearbeitung des Steines.

Das spätere Machu Picchu dagegen scheint nicht mehr als ein königlicher Rückzugsort gewesen sein.

Warum wurde Caral verlassen? Eine Theorie ist, daß eine Dürre eine Hungersnot hervorrief. Viele Gebäude sind zum Schluß schwarz gefärbt worden, nachdem sie zuvor weiß gewesen waren.


Siehe auch:





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